August 2017

Berufsbild Konstrukteur/in

Konstrukteurin EFZ – eine vielseitige, moderne und interessante technische Berufslehre. Doch was für ein Beruf ist Konstrukteurin? Was genau macht eine Konstrukteurin tagein, tagaus? Wie läuft diese Berufslehre ab? Was für Voraussetzungen gibt es? Diese Fragen sollen in diesem Artikel geklärt werden.

Sie haben es sicher schon gemerkt: wir sprechen in diesem Artikel für einmal nur in weiblicher Form von unserem Beruf. Der Grund: wir finden, es gibt immer noch zu wenige junge Frauen, die sich in einen technischen Beruf „wagen“. Darum machen wir es ausnahmsweise umgekehrt und sprechen «zur besseren Übersicht» nur von der weiblichen Form. Gemeint sind natürlich immer beide Geschlechter, also Konstrukteur und Konstrukteurin. 

Konstrukteurin, was ist das?

Früher wurde der Beruf Maschinenzeichnerin genannt. Also macht eine Konstrukteurin in erster Linie Zeichnungen? Auch – aber nicht nur: beim Wechsel der Berufsbezeichnung Ende der 90er Jahre wurde nämlich auch das Aufgabengebiet erweitert. Eine Konstrukteurin macht heutzutage nicht „nur“ Zeichnungen und Modelle (wie wir die 3D-Zeichnungen nennen), sondern setzt zusammen mit Ingenieurinnen Ideen um und entwickelt Einzelteile und Baugruppen für Produkte, Geräte oder ganze Produktionsanlagen. Dies können auch verschiedenste Alltagsprodukte und Gerätschaften sein, die Sie tagtäglich zu Hause nutzen oder im Supermarkt kaufen. Ausserdem gehört das Ausarbeiten von technischen Unterlagen wie etwa Pflichtenhefte und Bedienungsanleitungen dazu. 

Tätigkeitsgebiet

Die Tätigkeitsbereiche können ganz unterschiedlich sein. Ob im Agrar-, Industrie- oder Dienstleistungssektor, ob mechanische, elektrische oder elektronische Geräte, Maschinen oder Anlagen –  Konstrukteurinnen braucht es überall. Und überall heisst in diesem Fall wirklich überall: ob es um Verpackungen für Lebensmittel oder um Maschinen geht, ob technische Geräte oder einfachste Produkte wie Kugelschreiber und Gehäuse für USB-Sticks, es hatte bestimmt eine Konstrukteurin „ihre Finger im Spiel“.
Dabei ist die Zeit von Handzeichnungen, Reissbrett und rein mechanischer Herstellung längst Geschichte: bereits in der Lehre wird primär am Computer gezeichnet und z.B. für Prototypen kommen oft  3D-Drucker oder andere moderne Hilfsmittel zum Einsatz.

Voraussetzungen

Eine Konstrukteurin trainiert während ihrer Lehre unter anderem das räumliche Vorstellungsvermögen. Dies ist eine der Grundvoraussetzungen für diesen Beruf. Vor der Ausbildung wird dies meist durch einen Schnuppertag und/oder eine firmeninterne Fähigkeitsprüfung durch den jeweiligen Betrieb getestet. Auch mathematisches Grundwissen, hauptsächlich Algebra und Geometrie, ist eine wichtige Voraussetzung. Und nicht zuletzt muss eine angehende Konstrukteurin das Flair und die Faszination für die Technik mitbringen. Wenn Ihre Tochter also gerne alles auseinandernimmt und wissen will, wie es denn eigentlich funktioniert, ist sie vielleicht eine geborene Konstrukteurin.

Berufslehre

Die Lehre zur Konstrukteurin EFZ dauert vier Jahre. Zu Beginn werden das räumliche Vorstellungsvermögen wie auch die Grundlagen des Konstruierens anhand von Übungen geschult. Dies geschieht teilweise im Betrieb, teilweise aber auch in den üK, den überbetrieblichen Kursen, zusammen mit Lernenden anderer Betriebe. Bald kommt dann das CAD (Computer Aided Design) zum Einsatz – ein PC-Programm zum Erstellen von Modellen und Zeichnungen. CAD-Programme werden die Konstrukteurin ihr Leben lang als wichtigstes Arbeitswerkzeug begleiten.


Im ersten oder zweiten Lehrjahr findet auch das sechsmonatige Werkstattpraktikum statt. Denn wer sinnvoll konstruieren will, muss auch wissen wie es hergestellt wird und selber mal Hand angelegt haben. Zum Ende des zweiten Lehrjahres wird die eigentliche Grundausbildung mit der Teilprüfung abgeschlossen. Nach zwei weiteren Jahren des Anwendens und Vertiefens der Grundausbildung in produktiven Projekten wird die Konstrukteurin betrieblich mit der IPA (Individuelle Praktische Arbeit) und der Berufskenntnisprüfung in der Schule geprüft.
Während der ersten beiden Jahre besucht die Konstrukteurin an jeweils zwei Tagen pro Woche die Berufsschule und während des dritten und vierten Lehrjahres an einem Tag.

Nach der Lehre steht die Welt offen

Mit einem Abschluss als Konstrukteurin EFZ steht der Konstrukteurin buchstäblich die Welt offen!
Zum einen gibt es in den vielen verschiedenen Branchen und Betrieben immer wieder neue, geniale Herausforderungen und neue Tätigkeitsbereiche im In- und Ausland, in denen die Konstrukteurin ihre Erfahrung auf- und ausbauen kann. Zum anderen gibt es natürlich auch die Möglichkeit zur Weiterbildung oder zum Studium.

Ein oft gewählter Weg ist die Weiterbildung zur Ingenieurin, heute genannt „Bachelor of Science BSc“ in verschiedensten Fachrichtungen wie z.B. Maschinentechnik, Mikrotechnik und vielen mehr. Daneben gibt es noch die Ausbildung zur Technikerin HF, sowie verschiedene fachspezifische Weiterbildungen und Studiengänge.
Als Vorbereitung und Übergang für ein solches Studium bietet sich die technische Berufsmaturitätsschule BM an. Genauso wie beim späteren Studium gibt es auch bei der BM zwei Wege: ein Jahr lang Vollzeit nach der Lehre oder Teilzeit während der Lehre jeweils einen Tag pro Woche (dabei entfällt in der normalen Gewerbeschule der Teil Allgemeinbildung).
Also: egal ob als Konstrukteurin an interessanten Projekten arbeiten oder eine Weiterbildung in Angriff nehmen – der Weg ist mit einer Berufslehre als Konstrukteurin EFZ vielseitig offen. Konstrukteurinnen werden gebraucht und helfen, unsere Zukunft zu gestalten.

Lehrstelle als Konstrukteurin bei Gimelli Engineering AG

Auch wir von der Gimelli Engineering AG bilden Konstrukteurinnen im Zweijahresturnus aus. In der Berufsschule und den überbetrieblichen Kursen ist vieles auf den allgemeinen Maschinenbau ausgelegt. Die Ausbildung bei der Gimelli Engineering AG beinhaltet den allgemeinen Maschinenbau auch zu gewissen Teilen. Da wir auf Kunststoffprodukte spezialisiert sind, gibt dies den Lernenden zusätzlich ein entsprechend breiteres Wissen im Bereich der Kunststoffe.

Nicht nur eine Männer-Domäne: ein paar Beispiele
  • Sarah Guppy                      
    1770 – 1852     
    Erfand eine bessere Verankerung für Hängebrücken, die sie sich 1811 patentieren liess.

  • Margarethe C. Eichler
    um 1809 – 1843 (ermordet)
    Erfinderin der ersten brauchbaren modernen Handprothese; sie ließ 1832 ihre Erfindung einer Beinprothese mit Kniegelenk in Preussen patentieren.
  • Hertha Marks Ayrton    
    1854 – 1923    
    Englische Mathematikerin und Elektroingenieurin, erfand ein Aufzeichnungsgerät für den Pulsschlag und ein mechanisches Gerät zur Teilung einer Linie in gleich lange Teile, die Anwendung im Bereich der Bautechnik fand.

  • Lillian Evelyn Gilbreth
    1878 – 1972
    BA, MA, PhD, war eine US-Amerikanische Autorin und eine der ersten als Ingenieurin arbeitenden Frauen, die einen PhD erlangte.

  • Cécile Butticaz        
    1884 – 1966    
    Schweizerin und erste europäische Elektroingenieurin.

  • Elisa Leonida Zamfirescu
    1887 – 1973     
    Rumänische Chemieingenieurin, die 1912 das erste Maschinenbau-Diplom an der TU Berlin erhielt und die Bodenschätze Rumäniens erforschte.

  • Caroline Haslett
    1895 – 1957     
    Englische Elektro-Ingenieurin und Gründerin der britischen Women’s Engineering Society (WES).

  • Ilse Essers
    1898 – 1994    
    Flugzeugkonstrukteurin, Autobiografin und Biografin; Ingenieurdiplom 1926 am Institut für Mechanik und flugtechnische Aero-dynamik an der Königlich Rheinisch-Westphälischen Polytechnischen Schule in Aachen bei Theodore von Kármán, Doktortitel 1929 an der TH Berlin – der erste Doktortitel, der im Fachbereich Maschinenwesen an eine Frau ging.

  • Hedy Lamarr (eigentlich Hedwig Eva Maria Kiesler)
    1914 – 2000
    Österreichisch-Amerikanischer Hollywood-Star der 1940er Jahre. Daneben erfand sie zusammen mit dem Komponisten George Antheil das Frequenzsprungverfahren, das bis heute in der Mobilfunktechnik eine wichtige Rolle spielt.

  • Maria-Christine Gabriele Antonie Irmgard Fürstin von Urach
    1933 – 1990
    Deutsche Maschinenbau-Ingenieurin, eine der ersten Ingenieurinnen und weiblichen Führungskräfte bei Daimler-Benz.

  • Jutta Saatweber
    *1938           
    Deutsche Elektrotechnikingenieurin, Quality Function Deployment. Engagierte sich für die Förderung von Frauen und Mädchen in Ingenieurberufen und war lange Jahre in führenden Funktionen des VDI-Arbeitskreises Frauen im Ingenieurberuf (FIB) tätig.

  • Marion Weissenberger-Eibl
    * 1966
    Deutsche Ingenieurin, Leiterin des Fraunhofer Instituts System- und Innovationsforschung (ISI).

  • Stephanie Wilson
    * 1966
    US-Amerikanische Raumfahrtingenieurin (unter anderem Galileo am Jet Propulsion Lab) und NASA-Astronautin.

  • u.v.m.