Februar 2016

DIN 16742

Von Oktober 2009, als die vorgängige Norm (DIN 16901) zurückgezogen wurde, bis Oktober 2013 bestand keine offizielle Norm für die Tolerierung von Kunststoff-Formteilen. Wie viele andere, haben auch wir uns während dieser Zeit weiterhin auf die zurückgezogene DIN 16901 gestützt.

In diesem Wissenstip möchten wir Sie auf eine kleine Reise ins Reich der Normen entführen und Ihnen zeigen, was dies für uns als Ingenieurbüro bedeutet.

 

1.   Geltungsbereich

Die Norm DIN 16742 gilt für folgende Kunststoff-Formteile:

I. Spritzgiessen

– Verflüssigter Kunststoff, der mit Druck in eine Form (Werkzeug) gegossen wird.

– Das Werkzeug ist geschlossen und die einzelnen Teile davon zueinander gesichert.

II. Spritzprägen

– Verflüssigter Kunststoff, der mit Druck in eine Form (Werkzeug) gegossen wird.

– Das Werkzeug ist beim Eingiessen leicht geöffnet und wird erst während des Giessvorganges geschlossen, um überall einen gleich grossen Druck zu erhalten.

III. Spritzpressen

– Eine vordefinierte Menge an flüssigem Kunststoff wird in das Werkzeug gegossen (mehr als effektiv benötigt wird, um Lufteinschlüsse zu minimieren).

– Werkzeugteile werden erst am Schluss zusammengepresst und gehalten, bis der Kunststoff ausgehärtet ist.

IV. Pressen von nicht porösen Formteilen aus Thermoplasten

V.  Thermoplastische Elastomere und Duroplaste

4 STEPS

Wie man vorgeht und was man dabei beachten muss:
Geltungsbereich, Tolerierung, Verkleinerung der Toleranzfelder und GEA Normalfall TG5 – TG7.

2.   Tolerierung

Neu sind unter anderem die symmetrischen Toleranzen. Wo in der vorgängigen Version noch z. B. 20+0.4/-0.3 gebilligt wurden, wird in der neuen Norm die symmetrische Tolerierung sogar vorgeschrieben (z. B. 20 ± 0.4). Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass der Werkzeugbauer heutzutage meist mit dem 3D-CAD-Model weiterarbeitet und seine Arbeit erheblich erleichtert wird, wenn das Modell bereits toleranzmittig konstruiert wurde.

Weiterhin werden formgebundene und nicht formgebundene Masse unterschieden.

Die Grösse des Toleranzfeldes wird durch die Raumdiagonale bestimmt.

Was das genau heisst, verdeutlicht untenstehendes Bild. Um die Plus-Minus-Toleranz für das Mass 12,45 zu bestimmen, müssen die Toleranzwerte für das Nennmass 76.766 (Raumdiagonale) aus der Toleranztabelle gesucht und eingetragen werden.
Damit wird unter anderem auch der Verzug von Kunststoffteilen berücksichtigt.

3.   Verkleinerung der Toleranzfelder

Durch die immer besser und genauer werdenden Herstellungsverfahren, können auch jeweils präzisere Toleranzen angegeben und erreicht werden als bei DIN 16901.

Was früher in der DIN 16901 unter der genauesten Toleranzgruppe aufgeführt war, findet sich in der neuen Norm näherungsweise in den Toleranzreihen TG4 und TG5. Die Toleranzfelder der Reihen TG1 bis TG3 wurden, zumindest für die tieferen Nennmassbereiche, im Vergleich zur zurückgezogenen Norm nochmals deutlich verkleinert.

4.   GEA Normalfall TG5 – TG7

DIN 16742 umfasst 9 Toleranzgruppen (TG1 – TG9). Diese lassen sich den ISO-Grundtoleranzen (IT01…IT18 gemäss SN EN ISO 286-1) näherungsweise zuordnen. Dadurch kann jetzt bei Bedarf auch über die ISO-Toleranzreihen kommuniziert werden. Diese Zuordnung existierte bei der DIN 16901 nicht.

Zur Bestimmung der Toleranzgruppe dient ein material- und fertigungsabhängiges Bewertungssystem. Trotz dem breiten Spektrum an Toleranzenreihen zeichnet sich bei uns ein gewisser Standard ab.

Im Normalfall arbeiten wir mit den Toleranzreihen TG5 – TG7 (natürlich geschieht alles unter dem Grundsatz: „So genau wie nötig, so grob wie möglich).