August 2019

CAD Kompetenz

Die richtige Werkzeugauswahl für den spezifischen Auftrag ist eine der Quellen für unser Geschäft im Dienstleistungssektor. Es geht darum, mit diesem Werkzeug die Herstellung von physischen Produkten zu ermöglichen – effektiv zu realisieren. Es gibt aus unserer Sicht keine „richtige“ Auswahl, sondern viel mehr eine „bessere oder schlechtere“. Die Evaluation solcher Werkzeuge ist anspruchsvoll und hält uns vital.

Bei der Auswahl eines CAD-Systems haben häufig persönliche Erfahrungen und Hintergründe Einfluss (z.B. Vorlieben, Gewohnheiten). Wir versuchen bei unserer Evaluation neben den relativ einfachen, objektiven Gesichtspunkten auch subjektive Aspekte für die Entscheidung heranzuziehen – dies vornehmlich in den für uns familiären Bereichen der physischen Produktentwicklung und deren notwendigen Produktionsinfrastruktur. Die grundlegenden CAD Anwenderkenntnisse sind für uns die gegebene Bedingung. Weiter setzen wir bei der Auswahl voraus, dass ausschliesslich Fachleute mit fundierten technischen Kenntnissen die Anwender sind.

Unsere Erfahrungspalette spricht hier von folgenden etablierten und unten aufgelisteten Systemen (Basis: parametrisierte CAD-Entwicklung). Der Stand entspricht Juli 2019 – entsprechend als unvollständige und periodisch überarbeitete Liste zu betrachten.  Angaben und Beurteilungen basieren auf unserer Perspektive, wie wir die Systeme im Projektgeschäft anwenden, und sind ohne Gewähr. Die Aussagen sind subjektiv und nicht wertend zu verstehen, da diese stark vom Einsatzszenario, insbesondere dem Umfeld, abhängen.

CAD System
Zukunftstendenz / Fokus
  • Cloud Connected Products

  • Design-to-Manufacturing-Lösungen

  • Composites und Fabrics (Stoffe)
Eindruck
  • Extrem leistungsfähiges Tool. Für sehr anspruchsvolle Projekte einsetzbar und generell alles vorhanden, was man braucht für alle Bereiche.

  • Das Programm folgt keiner softwarespezifischen Philosophie; die intuitive Bedienung führt, egal auf welchem Weg, zum Ziel; stark Lizenz-abhängig, welche Funktionen man hat.

  • Sehr gutes 3D-Verrundungs-Tool. Dies ist hauptsächlich bei formgebundenen und form-komplexen Konstruktionen sehr hilfreich.

  • Bedienungsoberfläche kann sehr ausgeprägt und individuell nach Bedürfnis eingestellt werden.

  • Ab NX 11 ist das „bewegliche Einbauen“ komplett vorhanden; „Motion simulation“ – von linear bis rotativ – bietet viele Möglichkeiten in grossem Umfang, bedingt aber eine Zusatzlizenz.

 

  • Augmented Reality
  • Echtzeit-Simulation
  • additive Fertigung
  • Sehr leistungsfähiges Tool. Für anspruchsvolle Projekte sehr gut geeignet.
  • Bedingt intuitiv; weist eine eigene Struktur-Philosophie auf; Lizenzabhängig, welche Funktionen man zur Verfügung hat.
  • Sehr gutes 3D-Verrundungs-Tool. Dies ist hauptsächlich bei formgebundenen und form-komplexen Konstruktionen sehr hilfreich. Allgemein sehr guter Umgang mit Flächenmodellierung.
  • Chronologie und Rückverfolgung von Speicherständen auch ohne PDM sinnvoll gelöst.
  • Wer lieber die Kontrolle über die Tastatur hat, fühlt sich hier wohl (Mapkeys).
  • Mechanismen in Baugruppen (Drehen, Schieben usw.) in Basislizenz vorhanden.
  • Folgt einer eigenen Konstruktionsphilosophie. Dies ist hauptsächlich für Einsteiger wichtig, die von einem anderen CAD herkommen. Erkennt nur ein „Volumen“. Wenn man z.B. Würfel (2 Volumina) verschmelzen oder subtrahieren möchte erfordert dies ein Umdenken (Boolesche Funktion). Subtraktionen sind nur von Flächen möglich.

 

  • Design-to-Manufacturing-Lösungen
  • Internet der Dinge (IoT mit SW PCB, Electric 3D usw.)
  • Sehr leistungsfähiges Tool. Für anspruchsvolle Projekte sehr gut geeignet. Wir nennen es oft, vielleicht unangebracht, das Catia Geschwister.
  • Sehr intuitiv; bei Einsteigern sehr beliebt.
  • Umfangreiches Grundpaket; dennoch verschiedene Pakete erhältlich (Standard, Professional, Premium).
  • Starkes, einfach verständliches Blechtool.
  • Mit einigen Millionen Usern weltweit sehr verbreitet, dadurch viel Knowhow online verfügbar.
  • Bei grossen Baugruppen muss konsequent mit vereinfachten Darstellungen gearbeitet werden, sonst sehr träge.
  • Umständliche Verwaltung von Vorlagen für Zeichnungen, Zeichnungsrahmen usw.

 

  • Engineering-übergreifend in andere Sektoren (Bau, Systemengineering, Design usw.)
  • Plattformgeschäft mit Abstufungen von bis zu 25 einzelnen Funktionen
  • Extrem leistungsfähiges Tool für anspruchsvolle Projekte (vornehmlich bei allen Projekten, wo das Ergebnis fährt oder fliegt).
  • Das Programm folgt keiner softwarespezifischen Philosophie. Die intuitive Bedienung führt, egal auf welchem Weg, zum Ziel.
  • Bedienungsoberfläche kann sehr ausgeprägt und individuell nach Bedürfnis eingestellt werden.
  • Es gibt verschiedene Basismodule, die gezielt für verschiedene Industriezweige ausgelegt sind und auch spezifizierbar sind (Lizenzmodel).
  • Die Versionierung von Teilen wird in Catia nicht automatisch gemacht, sondern muss mit einem zusätzlichen PDM realisiert werden.

 

  • Legt Wert auf ein gutes Benutzererlebnis.
  • Optimiert aktuell in den Bereichen, wo die Arbeit hauptsächlich stattfindet (Konstruktionsbefehle, Skizzieren, Modellieren).
  • Leistungsverbesserungen bei grösseren Baugruppen.
  • Einsteigerfreundliches, leistungsfähiges Tool. Bedingt einsetzbar für extrem anspruchsvolle Projekte (relativ und projektabhängig).
  • Intuitiv und durchgängig verständlich.
  • Baugruppen modellieren und einzelne Körper in Gruppen in Einzelteile ableiten ist einfach zu machen.
  • Gute PDM-Datenablage in Kombination mit Checkin-Checkout-System „Vault“ (SQL-Datenbank); bietet gute Möglichkeiten, Dimensionierungen zu machen. Umfangreich, jedoch in der Basisversion ohne Revisionsmöglichkeit.

 

  • Additive Fertigung
  • Subtraktive Fertigung (Blech, Plastik, Holz) mit Hilfe von „2D-Nesting“
  • Augmented Reality
  • Bedingt leistungsfähiges Tool, jedoch ein sehr guter All-Rounder. Demzufolge bedingt einsetzbar für extrem anspruchsvolle Projekte (relativ und projektabhängig). Wir nennen es oft, vielleicht unangebracht, das NX Geschwister.
  • Synchronous Technology: hybride Konstruktion, respektive ein Mix aus parametrischer und direkter Konstruktion. Diese ermöglicht zum Beispiel in Baugruppen eine direkte Konstruktion bzw. Modifikation von mehreren Teilen gleichzeitig, ohne dass dabei die Parametrik der einzelnen Teile verloren geht.

 

Verglichen mit anderen im täglichen Geschäft anfallenden Entscheidungen, mag unser Entscheidungsprozess aufwändiger erscheinen – aber er ist erfolgreicher, weil

  • uns dies immer auf dem Marktstand hält
  • den nötigen Anstoss gibt, unsere eigenen Lizenzen für die nächste Phase neu zusammenzustellen
  • es die Grundlage bietet, flexibel auf unsere Geschäftsentwicklung reagieren zu können
  • das objektive Bewertungsverfahren mit „Bauchgefühl“ systematisch ergänzt wird und
  • wir mit diesem Wissen unsere Kunden bestmöglich unterstützen können.

Richtig Spass macht es dort, wo die Anwenderbedürfnisse an ein System mit der Firmenphilosophie und der effektiven Arbeit im Einklang sind. Der Kompromiss aus dem allem erfordert einen hohen an Grad an kommunikativen Fähigkeiten der Führungs- bzw. Entscheidungsträger.

Wir freuen uns auf die zukünftigen CAD-Auswahlverfahren!